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Dienstag, 28.09.2021
Erntedank, Foto: paz-arando-zwZusrYAGoM-unsplash

Erntedank ist ein Fest mit langer Tradition. Das Zusammenspiel von Saat und Ernte hat für die Menschheit seit Jahrtausenden immense Bedeutung, schließlich wurde so das Überleben während der Wintermonate gesichert.

Von Demeter bis zu Kain und Abel

Bereits von den Griechen ist überliefert, dass sie zu Ehren Demeters, der Göttin für Fruchtbarkeit der Erde und somit auch für Saat und Ernte zuständig, ein Fest abhielten. Gefeiert wurde nach der Ernte und zur Aussaat des Wintergetreides, hauptsächlich von den Frauen und mit einem mehrtägigem Fest. Oft blieb die letzte Getreidegarbe auf dem Feld stehen. Sie wurde mit Frauenkleidern verkleidet und „Demeter“ genannt. Hatte man sich den Zorn der Götter zugezogen, konnte es sein, dass diese die Menschen mit einer schlechten oder im schlimmsten Fall einer ausgefallenen Ernte bestraften. Um dies zu vermeiden und sich die Götter gewogen zu machen, wurden ihnen bereits im Frühling Opfer dargebracht und die Flure begangen.
Im Judentum sind Erntedankfeste ebenfalls fest etabliert. 50 Tage, also sieben Wochen und einen Tag, nach dem Pessachfest wird zu Beginn der Getreide-Ernte Schawout gefeiert. Mit Sukkot, dem Laubhüttenfest, wird ein weiteres Erntedankfest gefeiert. Dieses findet statt, wenn die Weinlese beendet ist und dauert sieben Tage.
Eine lange Tradition hat das Erntedankfest auch im Christentum. Seit dem 3. Jahrtausend nach Christus wird Erntedank gefeiert. Doch bereits im Alten Testament ist das Fest ein Thema: Kain und Abel bringen Gott Opfergaben dar als Dank für die Ernte. Dass die Geschichte um die beiden Brüder tragisch endet, ist bekannt.

Erntedankfest: Traditionen und Bräuche

Die Kirche feiert das Erntedankfest am ersten Sonntag im Oktober mit einem Gottesdienst. Ergänzend gibt es verschiedene Bräuche wie etwa ein reich geschmückter Altar oder die Erntekrone. In vielen Gemeinden wird der Raum vor dem Altar sowie dieser selbst reich mit Feldfrüchten und Getreide geschmückt, oft sind auch Erntedankteppiche zu bewundern. Die Erntekrone besteht in der Regel aus Getreideähren. Sie wird auf dem Dorfplatz oder in der Kirche aufgestellt. Die Krone erinnert an die Abhängigkeit der Menschen von der Natur. Sie wird auf einen Kranz gebunden, der ohne Beginn und ohne Ende die Unendlichkeit symbolisiert. Auch das Binden einer Garbenpuppe aus den letzten Getreideähren, ähnlich wie bei den alten Griechen, hat Tradition.
Neben diesen kirchlichen Bräuchen gibt es auch weltliche Traditionen rund um das Einbringen der Ernte. So kamen früher nach der Ernte Bauern und Helfer zusammen, um gemeinsam zu feiern. Die Herrschaft bediente Mägde und Knechte, es gab reichlich zu essen, es wurde musiziert und getanzt. Ziel war es, die mühevollen, anstrengenden Monate zwischen Aussaat und Ernte zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen.
In vielen Gemeinden gibt es zu Erntedank Festzüge, die die Landwirtschaft in den Fokus rücken. Ebenfalls Tradition haben herbstliche Jahrmärkte oder Kirmessen. Das bekannteste Fest dürfte der Cannstatter Wasen sein: An einen kompletten Ernteausfall und einem folgenden verheerenden Hungerwinter im Jahr 1816, schloss sich wieder ein besseres Erntejahr an. Diese Ereignisse nahm der württembergische König Wilhelm I. zum Anlass, ein Landwirtschaftsfest ins Leben zu rufen, das 1818 zum ersten Mal stattfand. Auf diesem präsentierten Landwirte ihre Tiere und Erzeugnisse. Bis heute hat der Wasen Tradition. Den festlichen Beginn macht der Festumzug, daran schließt sich ein großes Volksfest an, das mehrere Millionen Besucher anzieht.

Erntedank international

Erntedankfeste werden weltweit gefeiert. Eines der bekanntesten ist Thanksgiving in den USA, das an das Erntedankfest der Pilgerväter erinnert. Traditionell wird Thanksgiving am vierten Donnerstag im November begangen und ist mit einer großen Reisewelle verbunden. Das Fest ist Anlass zu großen Familienfeiern mit obligatorischem Truthahn-Essen.
Während in verschiedenen Ländern Mittel- und Südamerikas der Fokus auf buntem, fröhlichen Dank für die Mais- oder Zuckerrohrernte liegt, wird Erntedank in den Ländern Afrikas mit der Verehrung der Ahnen und Naturgeister verbunden.
In Indien wird Mitte Januar das tamilische Erntedankfest Pongal gefeiert. Es erstreckt sich über mehrere Tage. Im Mittelpunkt des Familienfestes steht ein süßes Reisgericht, bei welchem die Milch so lange erhitzt wird, bis sie überkocht. Dieser Brauch symbolisiert Dank für eine reiche Ernte und Lebensfreude im Überfluss.
Dass zu unserem Leben nicht nur reichlich Lebensfreude, sondern auch ausreichend Nahrung für alle Menschen gehören sollte, zeigt, dass Landwirtschaft und Erntedank nach wie vor einen wichtigen Platz einnimmt – auch wenn wir das hin und wieder im Zuge von Wohlstand, Überfluss und Welthandel zu vergessen scheinen.