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Die Kalender der Maya und Azteken

Mittwoch, 01.09.2021
Kalender der Maya und Azteken, Foto: DEZALB, Pixabay

Bei den Kulturen der Maya und Azteken treffen Wissen und Mythen aufeinander. Der gilt auch für die Kalendersysteme.

Wissen und Vermutung

Die mesoamerikanischen Hochkulturen der Maya und der Azteken verfügten über komplexe Kalendersysteme. Leider erschließen sich uns diese heute nicht mehr bis ins Detail, doch über den Grundaufbau ist einiges bekannt.
Der Kalender der Mayas ist der am weitesten entwickelte Kalender der Ureinwohner Mittelamerikas. Das Gebiet, das auch Mesoamerika genannt wird, umfasst heute Mexiko, Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica.

Die drei Kalender der Maya

Die Hochkultur der Maya begann bereits 3000 vor Christus. Die Entwicklung des Kalendersystems geht auf das erste Jahrtausend vor Christus zurück. Genutzt wurde er bis zur Zeit der spanischen Eroberung, die 1511 mit den ersten spanischen Schiffbrüchigen begann und ab 1519 unter Hernán Cortés fortgesetzt wurde. Die Maya-Kultur hatte zu diesem Zeitpunkt ihre Blütezeit zwar hinter sich, doch zahlreiche Maya-Völker lebten noch in dem ehemals blühenden Reich und kämpften gegen die Unterwerfung an. Trotzdem vernichteten bzw. unterdrückten die Spanier einen Großteil der Bevölkerung. Heute leben noch etwa 6 Millionen Maya in Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras, meist als Bauern und in Armut.
Wenn wir vom Kalender der Maya sprechen, müssen wir insgesamt drei Kalender unterscheiden, die ein hoch komplexes Kalendersystem bilden. Für rituelle Zwecke nutzten die Mayas den Tzolkin-Kalender. Im Alltag kam der Haab-Kalender zum Einsatz. Für die Himmelsbeobachtungen und historische Ereignisse wurde die Lange Zählung verwendet.

Haab, Tzolkin und Lange Zählung

Der bürgerliche Haab-Kalender, mit dem Saat- und Erntezeiten berechnet wurden, folgte dem Sonnenjahr, das in 18 Monaten mit 20 Tagen aufgeteilt war. Fünf Tage ohne Namen wurden an das Ende gesetzt, so ergaben sich 365 Tage für das Haab-Kalenderjahr. Wie bei unserem Kalender verfügten die Monate ebenfalls über Namen sowie eine Zahleneinteilung.
Der Tzolkin-Kalender war Ritualen, Zeremonien und auch der Wahrsagerei vorbehalten. An welchem System der Kalender sich ausrichtete, ist unklar. Klar ist: es sind weder Sonne noch Mond. Der Kalender bestand aus insgesamt 260 Tagen, verteilt auf 20 Monate mit jeweils 13 Tagen. Die Monatsnamen trugen Begriffe aus der Natur. Warum ein Zyklus 260 Tage umfasst, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt.
Haab- und Tzolkin-Kalender wurden parallel verwendet. Durch die unterschiedliche Länge der beiden Kalender fand erst nach 52 Jahren eine Art Wechsel statt, der vermutlich gleichbedeutend war wie für uns heute der Start in ein neues Jahrhundert oder Jahrtausend. Dieses Ereignis wird auch als Kalenderrunde bezeichnet.
Hinter der Langen Zählung verbirgt sich ein Kalender, der nach unserer Berechnung am 11. August 3114 vor Christus begonnen wurde. Seit diesem Tag wurden die folgenden Tage durchgezählt ohne wiederkehrende Tage, Wochen oder Monate und auch ohne die Einteilung in Jahre.

Das Kalendersystem der Azteken

Neben dem Maya-Kalender ist das Kalendersystem der Azteken eines der bekanntesten und dazu noch am besten erforschte System der Zeiteinteilung, das in Mesoamerika verwendet wurde. Die Kultur der Azteken, die im heutigen Mexiko beheimatet waren, begann im 14. Jahrhundert und endete zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit der Unterwerfung durch die Spanier unter Hernán Cortés und der Ausrufung des Vizekönigreiches Neuspanien, wodurch die aztekische Kultur nahezu zerstört wurde.
Der aztekische Kalender ist ähnlich aufgebaut wie der Kalender der Maya, allerdings greifen hier nur zwei Systeme. Das Jahr des bürgerlichen Kalenders (xihuitl) umfasste 18 Abschnitte zu je 20 Tagen. Auch hier finden sich am Ende fünf übrig gebliebene Tage, die das Jahr vervollständigten und nach deren Ablauf das neue Jahr begann. Diese Tage bezeichneten die Azteken als „unnütze“ oder „unglückliche“ Tage.
Der rituelle Kalender (tōnalpōhualli) bestand aus zwei in Verbindung stehenden Zyklen, die unabhängig voneinander nebeneinander herliefen. Der erste Zyklus umfasste 20 Zeichen, die Namen von Tieren und Pflanzen trugen. Der zweite Zyklus bestand aus den Zahlen von 1 bis 13. Durch die Kombination der Namen mit den Zahlen ergaben sich 260 Tagesnamen, die das Jahr markierten. Der Kalender wurde auch zu Zwecken der Wahrsagerei eingesetzt.
Auch wenn er nach heutigem Kenntnisstand kein Kalenderstein ist, ist der „Stein der Sonne“ ziemlich beeindruckend. Die 24 Tonnen schwere Skulptur stammt aus dem Haupttempel der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan. Sie ziert mehrere Ringe mit Zeichen unterschiedlicher Bedeutung, teilweise nicht entschlüsselt. Einer der Ringe zeigt die 20 Tageszeichen, daher wird der Stein auch oft als „Kalenderstein“ bezeichnet. Mittlerweile geht man davon aus, dass es sich beim Stein der Sonne um einen Altar- oder Opferstein handelt.