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Zeit für Frieden: Augsburger Friedensfest

Donnerstag, 05.08.2021
Augsburger Friedensfest, Foto: pexels-disha-sheta-3112898

Augsburg ist die Stadt in Deutschland mit den meisten Feiertagen. Das verdanken die Einwohnerinnen und Einwohner dem Augsburger Friedensfest, einem gesetzlichen Feiertag, den es nur in dieser Stadt gibt.

Krieg und Frieden

Das Augsburger Hohe Friedensfest, so die vollständige Bezeichnung, wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August begangen und ist seit 1950 ein gesetzlicher Feiertag, allerdings nur im Stadtkreis Augsburg – was bundesweit einzigartig ist.
An diesem Tag wird an den Westfälischen Frieden von 1648 erinnert. Dem voraus ging die Zeit der Reformation, bei der sich die Mehrheit in Augsburg zur Confessio Augustana, einer Bekenntnisschrift des Luthertums, bekannte. Die Stadt schloss sich dem Schmalkaldischen Bund an, einem Zusammenschluss protestantischer Fürsten und Städte u.a., der sich gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V. wandte. Im Schmalkaldischen Krieg (1546–1547) zerschlug Karl V. den Bund und schwächte so die Position der Evangelischen. Doch da sich der Protestantismus offensichtlich nicht mit militärischen Mitteln besiegen ließ, wurden zeitlich befristete Waffenstillstände vereinbart, die schließlich nach zähem Ringen in den Augsburger Reichs- und Religionsfrieden mündeten, der zugleich das Ende der Reformationszeit kennzeichnet.

Der Augsburger Religionsfriede

Augsburg hatte durchgesetzt, dass Katholikinnen und Katholiken sowie Protestantinnen und Protestanten, bzw. die Gemeinschaft der lutherischen Confessio Augustana, gleichberechtigt seien und alle Ämter der Stadt paritätisch, also jeweils mit dem gleichen Anteil an Personen des protestantischen wie katholischen Glaubens, besetzt werden sollten. Dieser Augsburger Religionsfriede wurde 1555 geschlossen und als Reichsgesetz festgeschrieben. Ihm verdankt das Heilige Römische Reich Deutscher Nation eine der längsten Friedenszeiten, die von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1618 dauerte.
Während des Krieges von 1618 bis 1648 nahm die Unterdrückung der Protestanten wieder zu. Die Ausübung ihres Glaubens wurde untersagt, es wurden Kirchen geschlossen, Prediger ausgewiesen. Der Westfälische Friede setzte dem Dreißigjährigem Krieg ein Ende und läutete auch das Ende der Unterdrückung der Protestantinnen und Protestanten ein. Die Augsburger Ämter wurden wieder paritätisch besetzt. Zum Dank für die zurückgewonnene Religionsfreiheit feierte die protestantische Bevölkerung am 8. August 1650 ihr erstes Hohes Friedensfest. Seit 1985 wird der Gottesdienst des Friedensfestes ökumenisch gefeiert. Im Jahr 2018 wurde das Augsburger Friedensfest in das „Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ in Deutschland der UNESCO aufgenommen, was die Bedeutung des Festes weiter stärkt.

Ein Fest für Frieden und Toleranz

Dieser Feiertag ist der Toleranz und des Friedens gewidmet. Die Botschaft, die sich damals wie heute aus dem Hohen Augsburger Friedensfest ableitet, ist klar: Kein Mensch soll wegen seiner Religion oder Herkunft ausgeschlossen oder benachteiligt werden.
Ein wichtiger Beitrag ist der Augsburger Friedenspreis, den die Stadt seit 1985 zusammen mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayerns alle drei Jahre verleiht. Der Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich in einem besonderen Maße um einen friedlichen und toleranten Umgang der verschiedenen Religionen und Kulturen verdient gemacht haben.

Seit vielen Jahren wird das Fest von einem mehrwöchigen interreligiösen und interkulturellen Kulturprogramm begleitet. Dieses setzt sich mit aktuellen, gesellschaftspolitischen Themen auseinander und bietet in diesem Rahmen Konzerte, Theater, Workshops, Diskussionen und viele andere Events an. Zudem lockt das Festival der Kulturen zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die Stadt. Ein weiteres Highlight der Festwochen ist die Augsburger Friedenstafel am 8. August auf dem Rathausplatz: An langen Tischen ist Platz für Begegnung. Die mitgebrachten Speisen und Getränke werden miteinander geteilt, es wird sich unterhalten und neue Bekanntschaften werden geschlossen.

Dank seiner Geschichte und dem Streben nach Freiheit und Toleranz schafft das Augsburger Friedensfest eine wunderbare Gelegenheit, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: auf das friedliche Zusammenleben aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und Religion.