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Der jüdische Kalender

Donnerstag, 04.06.2020
Jüdischer Kalender, Foto: david-holifield-TLZKlOBOsLs-unsplash

Sonne, Mond oder beides? Der jüdische Kalender, Luach genannt, vereint Sonne und Mond und verhindert mit einem ausgeklügelten System, dass Feiertage durch die Jahreszeiten wandern. Außerdem wartet er mit einem ganzen Schaltmonat auf und nicht nur mit einem Schalttag.

Sonne, Mond, Kalender

Die Zeitrechnung des jüdischen Kalenders beginnt mit der Schöpfung der Welt und ist der christlichen Zeitrechnung um 3761 Jahre voraus.
Bis ins 4. Jahrhundert war die Systematik und Berechnung des jüdischen Kalenders ein streng gehütetes Geheimnis. Nachdem allerdings das Römische Reich das Christentum zur Staatsreligion ausrief und die Berechnung des jüdischen Kalenders verboten wurde, wurde der jüdische Kalender einheitlich festgelegt und veröffentlicht. So sollte das jüdische Leben aufrechterhalten werden. Heute ist der jüdische Kalender in Israel der Staatskalender – nicht nur in Bezug auf religiöse Festtage, sondern auch im Alltagsleben. Im Tourismus oder in der Zusammenarbeit mit anderen Ländern kommt häufig auch der gregorianische Kalender zum Einsatz.
Der jüdische Kalender ist ein Lunisolar-Kalender, also ein Mond-Sonnenkalender. Das bedeutet, dass sich die Dauer des Jahres nach der Sonne und die Dauer der Monate nach dem Mond richten. Daher schwanken die Monate zwischen 29 und 30 Tagen. Durch die Kombination von Sonne und Mond finden Feste und Feiertage, die auf die Jahreszeit Bezug nehmen, immer im gleichen vorgesehenen Zeitraum statt.

Neujahr im September

Um zu verhindern, dass die Monate wie bei einem reinen Mondkalender, etwa dem islamischen Kalender, durch das Jahr wandern und um den Unterschied zum Sonnenjahr auszugleichen, kommen in einem Zyklus von 19 Jahren insgesamt sieben Schaltjahre vor, genauer: die Jahre 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19. In diesen Jahren wird ein zusätzlicher Monat mit 30 Tagen eingeschoben. Dieser ist zwischen den Monaten Schwat und Adar platziert und wird als Adar I bezeichnet. Der eigentliche Monat Adar heißt in Schaltjahren Adar II oder Adar scheni. Feier- und Gedenktage, die in den Adar fallen, werden dann im Adar II gefeiert.
Wie im gregorianischen Kalender besteht das jüdische Kalenderjahr aus 12 Monaten, aber nur aus 354 Tagen. Im Vergleich zu unserem Sonnenjahr ergibt sich eine Differenz aus elf Tagen. Das Jahr beginnt mit dem ersten Tag im Monat Tischri im September/Oktober. Auch wenn es sich bei Tischri um den siebten Monat handelt, gilt er als Jahresbeginn. Daher wird an dessen ersten Tag das Neujahrsfest Rosch ha-Schana gefeiert. Nach der Monatszählung ist der erste Monat eines Jahres der Monat Nisan, der von Mitte März bis Mitte April dauert und in dem das Pessach-Fest gefeiert wird. Der Widerspruch zwischen Beginn des neuen Jahres und Monatszählung wird auf die Übernahme babylonischer Monatsnamen sowie auf die Vermischung eigener und fremder Traditionen zurückgeführt.
Wie in vielen anderen Kulturen, besteht die Woche im Luach ebenfalls aus sieben Tagen, beginnend mit dem Sonntag. Die Wochentage haben keine eigenen Bezeichnungen, sondern werden einfach durchnummeriert. Einzige Ausnahme ist der letzte Tag der Woche: Schabbat, der Ruhetag. Dieser dauert von Freitagabend bis Samstagabend, denn im jüdischen Kalender beginnt und endet ein neuer Tag jeweils mit Einbruch der Dunkelheit.

Feste lieber länger feiern

Der neue Monat beginnt mit dem Neumond. Bevor es einen festen Kalender gab, musste der Neumond von zwei Zeugen bestätigt werden, dann wurden Boten in die weiter entfernt gelegenen Gemeinden, zu den in der Diaspora lebenden Juden, ausgesendet. Je nach Entfernung, konnte es zu einer Zeitverzögerung kommen, bis die Nachricht über den Beginn des neuen Monats auch an diesen Orten angekommen war. Übrigens, die entlegenen Gemeinden feierten wichtige Feste lieber länger, also statt einem Tag manchmal zwei Tage, um sicher zu sein, zum richtigen Datum zu feiern und so eine Entweihung des Festtages zu vermeiden. Eine Ausnahme bildete der Versöhnungstag Jom Kippur, da man die Fastenzeit nicht in die Länge dehnen wollte. Auch heute gibt es außerhalb Israels noch den Brauch, wichtige Feste zu verlängern.