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Jetzt wird’s frostig: Einzug der Eisheiligen

Mittwoch, 06.05.2020
Eisheilige, Foto: xiaolong-wong-IhVeOaVX608-unsplash

Jedes Jahr vom 11. bis zum 15. Mai wird es Gartenliebhabern kalt um’s Herz: die Eisheiligen klopfen an die Gartenpforte, bereit, die zarten Pflänzchen auf eine frostige Probe zu stellen.

Mamerz hat ein kaltes Herz

Die fünf Eisheiligen, derer für ihr Wirken und ihrer Opfer gedacht wird, heißen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia. Sie lebten zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert. Mamertus und Servatius waren die Bischöfe von Vienne und Tongern, Pankratius, Bonifatius und Sophia waren Märtyrer.
Die Eisheiligen zählen zu den Wetterheiligen. Sie finden jedes Jahr Mitte Mai statt und sind durch die in diversen Bauernregeln erwähnten Minusgrade und den Bodenfrost gefürchtet.
Die gewieften Hobby-Gärtner wissen um diese frostigen Tage und beobachten das Wetter in diesem Zeitraum mit Argusaugen, denn die Eisheiligen können die erste Aussaat zunichte und den frischen Pflänzchen den Garaus machen. Daher war es früher auch üblich, die Aussaat erst nach dem 15. Mai, wenn die „kalte Sophie“ vorüber ist, auszubringen, denn dann galt das Wetter als stabil und frei von Nachtfrösten.
Ob das Datum der Eisheiligen heute noch korrekt ist, darüber gibt es Zweifel. Durch die Kalenderreform im Jahr 1582 und den damit einhergehenden Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender ergab sich eine Differenz von mehreren Tagen. Papst Gregor ordnete bei seiner Kalenderreform an, dass zehn Tage ausgelassen werden sollten. Die Heiligentage blieben jedoch gleich, waren jahreszeitlich betrachtet aber zehn Tage nach vorne versetzt.

Frostige Wiederholungstäter

Die Bezeichnung „Eisheilige“ wurde vermutlich durch die frühen Wetterbeobachtungen der Bauern, die diese über die Jahrhunderte weitergaben, geprägt. Nach diesen Beobachtungen kam es im Mai immer wieder zu Kaltwetterperioden, die häufig um den 10. Mai festgestellt wurden, also im Zeitraum der Gedenktage dieser Heiligen. Übrigens, die Eisheiligen werden auch Eismänner oder Gestrenge Herren genannt, trotz weiblicher Beteiligung durch die Heilige Sophia.
Im Norden Deutschlands beginnen die Eisheiligen früher als im Süden. Mamertus am 11. Mai ist der erste, dafür enden sie ohne die „kalte Sophie“, die am 15. Mai in den südlicheren Gebieten noch einmal durchsaust und wo Mamertus weniger Bedeutung beigemessen wird. Diese Verschiebung zwischen Nord und Süd lässt sich so erklären, dass die kalte Polarluft zuerst auf die nördlichen Gebiete trifft und meist mit etwa einem Tag Verzögerung im Süden des Landes ankommt.
Wissenschaftlich belegen lässt sich ein Zusammenhang zwischen den Eisheiligen und einem Kälteeinbruch im Mai nicht. Es kommt allerdings häufig vor, dass die eigentlich bereits wunderbar warme Frühlingsluft durch polare Kälte verdrängt wird. Durch den Klimawandel besteht zudem die Annahme, dass diese Kälte eventuell früher im Jahr vorkommt, so dass es eigentlich kaum einen Unterschied zu einem kühlen, regnerischen Apriltag gibt.

Frierende Schafe und heiße Hunde

Bevor der Sommer tatsächlich Einzug halten kann, steht uns laut Bauernregel im Juni ein weiterer Kälteeinbruch bevor: die Schafskälte. Diese tritt zwischen dem 4. und 20. Juni auf. Ein Lichtblick: Die Schafskälte kommt nicht jedes Jahr vor. Fällt innerhalb weniger Stunden die Temperatur um mehrere Grad Celsius, spricht man von der Schafskälte. Ihren Namen hat sie von den Schafen, die traditionell bis zu diesem Zeitpunkt geschoren werden und für die ohne ihr wärmendes Fell die frostige Kälte eine echte Herausforderung darstellen kann.
Das genaue Gegenteil der Eisheiligen und der Schafskälte sind die Hundstage. So werden die heißesten Tage des Jahres, die vom 23. Juli bis zum 23. August dauern sollen, bezeichnet. Der Zeitraum der Hundstage geht auf das Römische Reich zurück. Dort beobachtete man zeitgleich den Aufgang des Sternbildes des Hundes um den 23. Juli und den Beginn einer Warmwetterperiode. Die Dauer ergibt sich aus dem Zeitraum, in dem der erste und der letzte Stern im Sternbild erscheinen. Das dauert 30 bis 31 Tage. Bis heute hat sich der Aufgang des Großen Hundes um etwa vier Wochen nach hinten verschoben.