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Schaltjahre: zwischen Wissenschaft und Aberglaube

Donnerstag, 13.02.2020
Schaltjahr, Foto: debby-hudson-DrLfNAyB2w4-unsplash

Dieses Jahr ist es wieder soweit: 2020 ist ein annus intercalarius – ein Schaltjahr. Wer am 29.2. auf die Welt kam, darf nun endlich mal wieder Geburtstag feiern. Doch wer in einem Schaltjahr heiraten oder ein Haus bauen möchte, sollte sich das gut überlegen. Aber wieso hat unser Kalender überhaupt ein Schaltjahr?

366 Tage im Jahr 2020

Die Erde benötigt ein Jahr, um einmal um die Sonne zu wandern, genauer gesagt 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Da das Kalenderjahr aber nur aus ganzen Tagen besteht, ergibt sich jedes Jahr eine Differenz von fast sechs Stunden zwischen Kalenderjahr und tropischem Jahr, also der Zeitspanne zwischen zwei Durchgängen der Sonne durch den Frühlingspunkt. Diese Differenz summiert sich im Laufe der Jahre, wenn sie nicht ausgeglichen wird. So würde sich der Kalender nach vier Jahren um einen Tag und nach 100 Jahren um fast einen Monat nach vorne verschieben – und irgendwann fände Weihnachten im Hochsommer statt. Der Julianische Kalender, der den bis dato gebräuchlichen römischen Kalender ablöste und bis 1582 verwendet wurde, fügte daher alle vier Jahre einen Schalttag ein.
Allerdings beseitigte diese neue Regel nicht alle Verschiebungen. Daher wurde mit Einführung des Gregorianischen Kalenders einerseits die Regel vom Schalttag am 29. Februar beibehalten. Andererseits wurde die restliche Differenz von 11 Minuten und 14 Sekunden mit zwei Zusatzregeln beseitigt: Jahre, die durch 100 teilbar sind, sind keine Schaltjahre. In diesem Jahr fällt der Schalttag aus. Ist die Jahreszahl durch 400 teilbar, handelt es sich dann aber doch wieder um Schaltjahre. Übrigens, das Einschalten von Schalttagen, Schaltmonaten und anderen Zeiteinheiten wird Interkalation genannt.
Das Schaltjahr ist nicht ausschließlich eine Besonderheit des Gregorianischen Kalenders. Auch andere Kulturen und Kalendersysteme nutzen Schalttage oder Schaltmonate. Im Maya-Kalender wird etwa nach einem Standardjahr von 360 Tagen ein Schaltmonat von fünf Tagen eingeschoben. Im Jüdischen Kalender gibt es einen kompletten Schaltmonat, der alle zwei bis drei Jahre vorkommt. Da der Jüdische Kalender ein Lunisolarkalender ist, sind die Monate 29 oder 30 Tage lang. Der Schaltmonat trägt dazu bei, die Verschiebung zum Sonnenjahr auszugleichen.

Warum ausgerechnet Februar?

Es könnte so schön sein: alle vier Jahre einen Tag länger Sommer oder einen Tag länger Weihnachten. Aber ausgerechnet im Februar wurde der Schalttag eingeführt. So willkürlich wie es scheint, ist es aber nicht. Als Julius Cäsar seine Kalenderreform durchführte, veranlasste er, dass alle Monate künftig entweder 30 oder 31 Tage haben sollten. Bei 365 Tagen im Jahr geht diese Rechnung allerdings nicht auf. Daher wurde der damals letzte Monat im Jahr, der Februar, entsprechend gekürzt bzw. um einen Schalttag verlängert. Weitere Ausnahme: Juli und August verfügen beide über 31 Tage.

Gefahrenzone Schaltjahr

Mit dem Schaltjahr geht so mancher Aberglaube einher. So ist dieses Jahr wie geschaffen dafür, ein Katastrophenjahr zu sein – schließlich bleibt mit dem 29. Februar auch ein Tag mehr Zeit. Wer nicht gleich nach der Hochzeit wieder die Scheidung einreichen möchte, sollte vermeiden in einem Schaltjahr zu heiraten. Allerdings wird unabhängig vom Schaltjahr fast jede dritte Ehe wieder geschieden. Auch wer sich mit dem Gedanken an einen Hausbau trägt, sollte diesen nicht in einem Schaltjahr in die Tat umsetzen. In diesem Jahr könnte hierbei alles schiefgehen.
Einen Grund zur Freude haben am 29. Februar Geborene. Sie dürfen endlich mal wieder richtig Geburtstag feiern. Zugleich stehen sie allerdings auch im Verdacht, Geister sehen zu können oder von ihnen heimgesucht zu werden. Selbst in der Landwirtschaft steht man dem Schaltjahr skeptisch gegenüber. Die wohl bekannteste Bauernregel besagt: „Schaltjahr ist Kaltjahr“. Andererseits sind das für 2020 keine schlechten Aussichten hinsichtlich ein wenig Winterzauber inklusive Schnee …