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Wer hat an der Uhr gedreht?

Montag, 21.10.2019
Ausschnitt einer Uhr

Erst vor, dann zurück: Zweimal im Jahr wird unser Schlaf-Wach-Rhythmus kräftig durcheinandergewirbelt, denn dann ist Zeitumstellung. Es gibt jede Menge Pro und Contra und sogar die EU hat sich des Themas angenommen.

Wissenswertes zur Zeitumstellung

Die Regeln für die Zeitumstellung lauten: die Umstellung auf die Sommerzeit findet am letzten Sonntag im März, die Umstellung auf die Winterzeit am letzten Sonntag im Oktober statt. Für 2019 bedeutet das, dass am 27.10. von der Sommer- auf die Winterzeit umgestellt wird. Auch die Uhrzeit ist dafür festgelegt: Wird von der Winter- auf die Sommerzeit gewechselt, wird die Uhr um zwei Uhr nachts eine Stunde vorgestellt, wird von Sommer- auf Winterzeit gewechselt, wird um drei Uhr nachts die Uhr eine Stunde zurückgedreht.

Merksprüche, in welche Richtung vor- oder zurückgedreht wird, gibt es viele: ob „immer zum Sommer“, „im Frühjahr muss man früher aufstehen“ oder aus dem Englischen „spring forward, fall back“ – hier kann jeder seine persönliche Eselsbrücke finden, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Seit langem wird über Sinn und Unsinn, Für und Wider von Sommerzeit und Winterzeit diskutiert. Zwar benötigt man in den Sommermonaten weniger Licht, dafür muss in den Frühjahrs- und Herbstmonaten mehr geheizt werden, bei dauerhafter Sommerzeit wird es im Winter erst spät am Morgen hell, bei dauerhafter Winterzeit ist es im Sommer schon früh dunkel. Dazu kommt, dass die Gewöhnung an die jeweilige Zeit, egal in welche Richtung die Uhr verstellt wurde, einige Tage dauert, diverse Bereiche im täglichen Leben vor Herausforderungen stellt und technischen Aufwand bedeutet.

Tageslicht hilft beim Sparen

Aber was ist eigentlich unsere Normalzeit? Gibt es die überhaupt? Ja, gibt es. Ursprünglich war die Winterzeit unsere Normalzeit, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Die erste Zeitumstellung in Deutschland fand 1916 zu Zeiten des Ersten Weltkrieges statt. Hier war der Gedanke, möglichst viel vom Tageslicht zu nutzen, um so Kerzen und Gas zu sparen. Mit der Weimarer Republik wurde die Sommerzeit wieder abgeschafft, kurz nach Kriegsbeginn 1940 erneut eingeführt und von 1950 bis 1979 wieder abgeschafft. In der Nachkriegszeit wurde es zeitlich unübersichtlich: die sowjetische Besatzungszone in Ostdeutschland war Westdeutschland zwei Stunden voraus, da sie sich an der Moskauer Zeit orientierte. Zudem gab es in einigen Gebieten noch eine Hochsommerzeit, in der die Uhr eine weitere Stunde vorgestellt wurde. Zum Glück ließen sich damals wenigstens die unterschiedlichen Zeiten wiedervereinigen.

Aus der Überzeugung heraus, man könne so wieder Energie sparen, wurde 1980 die Sommerzeit abermals eingeführt. Einfluss auf diese Entscheidung hatte die Ölkrise 1973 sowie die Tatsache, dass die Nachbarländer Deutschlands die Zeitumstellung bereits eingeführt hatten.

1996 wurden dann die Sommerzeiten europaweit vereinheitlicht und Deutschland stellt seit damals nicht mehr Ende September, sondern Ende Oktober die Uhren zurück.

Übrigens hatte Ende des 19. Jahrhunderts jeder Ort innerhalb Deutschlands unterschiedliche Uhrzeiten. Man orientierte sich am Stand der Sonne, was dazu führte, dass Reisende ungefähr alle 18 Kilometer ihre Uhren um eine Minute vor oder zurückstellen mussten. Als die Reisetätigkeiten zunahmen, auch weil das Eisenbahnnetz immer weiter ausgebaut wurde, rang sich Deutschland 1893 dazu durch, sich der Mitteleuropäischen Zeit anzuschließen.

EU-Umfrage zu Zeitumstellung

2018 führte die EU-Kommission eine Umfrage durch, ob die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte. Über 80 % der Bürger, die sich an einer nicht repräsentativen Umfrage beteiligt haben, haben sich dafür ausgesprochen (die meisten übrigens aus Deutschland). Die EU-Kommission schlug vor, sich schon dieses Jahr von der Umstellung zu verabschieden und es den Ländern selbst zu überlassen, in welcher Zeit sie leben möchten. Da das Vorhaben jedoch länderübergreifende Absprachen voraussetzt, dauert es voraussichtlich noch bis 2021. Schließlich soll Europa kein bunter Flickenteppich aus unterschiedlichen Zeitzonen werden. Sowohl für Reisende als auch für Geschäftsbeziehungen zwischen den einzelnen Ländern ist eine einigermaßen einheitliche Einigung auf jeden Fall von Vorteil.