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Begeisterung für Kalender

Bauernregeln schön und gut – ist das nicht ein alter Hut?

Montag, 12.08.2019
Kartoffeln

Bringt der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut – wer kennt die Sprüche rund um Wetter und Ernte nicht? Aber treffen sie auch zu?

Götter oder Wissenschaft

Das Wetter und sein Einfluss auf Saat und Ernte, auf Menschen und Tiere, ist besonders in der Landwirtschaft von großer Bedeutung. Seitdem die Menschen Ackerbau und Viehzucht betreiben, stellt die Witterung einen Faktor dar, der kaum zu beeinflussen ist.

Früher galten die Götter für das Wetter verantwortlich. Daher versuchte man diese mit Gebeten und Opfergaben freundlich zu stimmen und zu einer guten Ernte zu bewegen. Die ersten Wetterbeobachtungen und Wetteraufzeichnungen gehen auf die Babylonier und Ägypter zurück. Die Griechen wollten dem unberechenbaren Göttereinfluss mit wissenschaftlicher Berechnung etwas entgegensetzen. Die Messungen im „Turm der Winde“ in Athen waren quasi die Geburtsstunde der Meteorologie. Theophrast von Eresos, ein Schüler Aristoteles, beobachtete das Wetter und fasste seine Erkenntnisse in 200 Wetterregeln zusammen, die ähnlich präzise wie die ersten Bauernregeln waren.

Der Hundertjährige Kalender

Das Interesse am Wetter und das ständige Beobachten der Witterungsverhältnisse sowie der Versuch, die Landwirtschaft zu optimieren, spiegeln sich auch im Hundertjährigen Kalender wider.

Im 17. Jahrhundert begann Mauritius Knauer, Abt des Klosters Langheim, über einen Zeitraum von sieben Jahren seine Wetterbeobachtungen aufzuzeichnen um daraus eine Art immerwährenden Wetterkalender zu schaffen. Knauer ging davon aus, dass die Planeten Saturn, Jupiter, Mars, Venus und Merkur sowie Sonne und Mond, die damals noch zu den Planeten gezählt wurden, sich regelmäßig abwechselten und jeweils für ein Jahr das Wetter beeinflussen würden. Somit würde es ausreichen, das Wetter einen Turnus lang zu beobachten, um daraus Aussagen für das zukünftige Wetter treffen zu können.

Noch heute erfreut sich der Hundertjährige Kalender als Sammlung von Wetterregeln großer Beliebtheit. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vorhersagen des Hundertjährigen Kalenders zutreffen, ist eher gering.

Wetter ist Glückssache

Das gilt auch für die Bauernregeln: Nicht alle Beobachtungen mögen tatsächlich zutreffen, aber einige Phänomene sind durchaus stimmig und spiegeln die Erfahrungen und Beobachtungen der Bauern über Generationen wider. Der Reichtum an Bauernregeln ist groß. Jeder Monat verfügt über mehrere dieser Regeln, die unter heutigen Gesichtspunkten, mehr oder minder lustig sind und von Schwalben, Abendrot, den Eisheiligen, Erntedank oder Schnee handeln.

Ebenfalls von Bedeutung für die Wettervoraussagen sind Lostage. Dass das Wetter auch Glückssache ist, wird in diesem Wort bereits durch das „Los“ angedeutet. Die Lostage orientieren sich am Heiligenkalender des Kirchenjahres. So fallen zum Beispiel Mariä Lichtmess (2. Februar) oder der Michaelistag (29. September) darunter.

… ändert sich’s Wetter oder es bleibt wie es ist

Einer der ältesten schriftlichen Belege in Bezug auf Wetteraufzeichnungen stammt aus dem 13. Jahrhundert von dem Gelehrten Albertus Magnus. Auch er greift für seine Abhandlung über die Beschaffenheit der Winde auf die bäuerlichen Wetterbeobachtungen zurück.

Mit der Erfindung des Buchdrucks um 1450 durch Johannes Gutenberg wurde auch die Verbreitung der Wettersprüche erleichtert. Bis heute erscheinen Bauernregeln und 100-jähriger Kalender in Büchlein und Kalendern, gerne auch ergänzt um Namenstage, kirchliche Feste und Heilige.

Professioneller wurden die Wetteraufzeichnungen ab 1780 mit der Etablierung von Beobachtungsstationen. Das Netzwerk reichte von Grönland bis Russland. Die älteste noch in Betrieb befindliche Station steht auf dem Hohen Peißenberg.

1820 erstellte Heinrich Wilhelm Brandes die erste Karte mit Hochs und Tiefs, 1878 wurde die Meteorologische Centralstation in Bayern errichtet, deren Wetterberichte an Bahnhöfen und Poststationen aushingen, und ab 1929 brachten die Zeitungen regelmäßige Wetternachrichten. Bis heute sind die Wettervorhersagen dank Forschung und technischer Entwicklungen immer präziser geworden, doch seriöse, langfristige Aussagen können nicht getroffen werden. Wettervorhersage und Sicherheit schließen sich auch heute noch gegenseitig aus.

Bauernregeln up to date

Dass Bauern- und Wetterregeln trotzdem auch heute noch Potential haben, zeigte vor einiger Zeit das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Landwirtschaftsministerin Barbara Hendricks, als es die Wetterregeln an die heutige Zeit anpasste – und sich dadurch nicht nur Freunde machte. Ebenfalls recht populär ist die Interpretation der Bauernregeln des Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger.