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Begeisterung für Kalender

Kalender und Geschichte

Montag, 08.04.2019
journal

Welchen Kalender haben Sie heute zu Rate gezogen? Den lunaren, äthiopischen oder hundertjährigen? Kalender jeglicher Art sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken.

Wer hat’s erfunden?

Doch war das schon immer so und seit wann gibt es eigentlich Kalender? Vielseitig und spannend ist die Geschichte des Kalenders allemal. Und alt.

Die Vielfalt der Jahresweiser reicht vom Lunarkalender über den Solarkalender zum Lunisolarkalender, vom islamischen zum gregorianischen bis zum jüdischen – den ägyptischen Kalender oder den Maya-Kalender nicht zu vergessen.

Die ältesten noch bekannten Kalender stammen aus Ägypten und Mesopotamien. Diese Kalender orientierten sich an den Mondphasen oder anderen astronomischen Ereignissen. Die Babylonier führten den Wochenzyklus mit sieben Tagen ein, den wir heute noch haben.

Diese Beobachtungs- oder astronomischen Kalender beobachteten besondere Ereignisse am Himmel, etwa Vollmond oder Tag-und-Nacht-Gleiche. Nach bestimmten Ereignissen begann ein neuer Zyklus. Der Nachteil dieser Methode: ein Ereignis kann an unterschiedlichen, auseinanderliegenden Orten zu unterschiedlichen Zeiten geschehen. So sind Verschiebungen möglich. Daher begann man, Kalender zu berechnen. Bereits im dritten Jahrtausend vor Christi errechneten die Ägypter einen Kalender mit 365 Tagen. Allerdings kam es auch hier zu Verschiebungen bei den Jahreszeiten, so dass Ptolemäus III. (246 bis 222 v. Chr.) schließlich einen Ausgleich mittels eines Schalttages schuf.

Hier geht die Sonne auf

Die griechische Astronom Meton entwickelte ein Kalendersystem, das Sonne und Mond berücksichtigte und nur alle 228 Jahre mit einem Schalttag angepasst werden musste. Noch heute berechnet sich unser Osterdatum nach dem metonischen Zyklus. Allerdings wurde dieses System vom julianischen Kalender abgelöst, der ein Jahr mit 365 Tagen einführte und weitere Abweichungen und Ungenauigkeiten beseitigen sollte.

Der Kalender, der heute überwiegend in Gebrauch ist, ist der gregorianische Kalender. Dabei handelt es sich um einen Solar- bzw. Sonnenkalender. Das heißt, die Sonne bestimmt durch ihren Lauf die Jahreszeiten unseren Kalender. Der gregorianische Kalender geht zurück auf Papst Gregor XIII. Er reformierte Ende des 16. Jahrhunderts den bis dahin gültigen julianischen Kalender. Papst Gregor führte kein neues Kalendersystem ein, sondern überarbeitete den julianischen Kalender. Das Jahr wurde zehn Tage kürzer und das Datum des Frühlingsanfangs korrigiert. Übrigens wurde in dieser Zeit auch ein offizieller Jahresbeginn eingeführt: der 1. Januar.

Rechnen mit dem Mond

Lunare Kalender (Mondkalender) orientieren sich an den Mondphasen. Der bekannteste noch im Gebrauch befindliche Lunarkalender ist der islamische Kalender. Er orientiert sich nicht an den Jahreszeiten und korrespondiert daher auch nicht mit dem Sonnenkalender. Im Durchschnitt ist er dem Solarkalender etwa elf Tage voraus. Gut zu wissen: Das Osterdatum berechnet sich nach dem metonischen Zyklus. Das Osterfest findet in der Regel nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang statt. Doch es kann auch mal zur Ausnahme von der Regel, dem Oster-Paradoxon, kommen und Ostern scheinbar erst nach dem zweiten Vollmond nach Frühlingsanfang stattfinden.

Die Mischung macht‘s

Eine Mischform und zugleich ein Versuch, Sonne und Mond einander näher zu bringen, stellt der Lunisolarkalender dar. Bekannte Beispiele sind der traditionelle chinesische oder der keltische Coligny-Kalender. Letzterer stammt aus der gallo-römischen Zeit und wurde im südfranzösischen Coligny gefunden. Der chinesische Kalender wird heute vor allem zur Berechnung traditioneller Feiertage wie des Neujahrfestes genutzt. Auch der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender. Die Länge der Monate ist durch die Länge der Mondphasen festgelegt, Schalttage können keine eingefügt werden – die Lösung heißt hier Schaltmonate. Die Dauer eines Jahres schwankt daher zwischen 353 und 385 Tagen.

Eine Sonderform ist der Maya-Kalender bzw. das Maya-Kalendersystem. Dieses verbindet verschiedene Kalendersysteme: Der Haab-Zyklus ist ein Sonnenkalender mit fünf Tagen und ohne Bindung an den Mond. Mit ihm wurde zum Beispiel das Datum der Aussaat oder Ernte berechnet. Da der Haab-Zyklus 365 Tage umfasst, ähnelt er unserem gregorianischen Kalender. Die Lange Zählung umfasst, wie der Name sagt, längere Zeiträume. Sie wurde für astronomische Berechnungen und Aufzeichnungen der Geschichte verwendet. Der Tzolkin-Zyklus ist weder an den Sonnen- noch an den Mondrhythmus gebunden. Nach welchen Regeln dieses System aufgebaut ist, ist unklar. Genutzt wurde der Tzolkin-Kalender für rituelle Zwecke.

Eine Kalendergeschichte

Dass Kalender und Geschichte wunderbar zusammenpassen, sieht man auch an den „Kalendergeschichten“, kurzen Geschichten im Volkskalender des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Volkskalender sollte dem Aberglauben entgegenwirken und diente der moralischen Belehrung. Durch das „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes“ von Johann Peter Hebbel wurden die Kalendergeschichten zur einer literarischen Kunstform.