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Gegen Drachen und das Böse: Michaeli

Montag, 19.09.2022
Michaeli; Foto: pexels-magda-ehlers-9891049

Der Michaelistag steht nicht nur für das Gedenken an den heiligen Michael. Mit dem Erzengel sind zahlreiche Traditionen verbunden.

Vom Erzengel zum Deutschen Michel

Er soll Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies vertrieben, den Teufel von der Erde verbannt und gegen Drachen gekämpft haben, außerdem gilt er als Schutzpatron: Zusammen mit den Erzengeln Rafael und Gabriel, denen am selben Tag wie Michael gedacht wird, gehört Michael zu einer besonders hervorgehobenen Gruppe von Engeln, die häufig mit Schutzengeln gleichgestellt wird. So ist Michael, der sich durch seinen Mut und seinen Kampf gegen das Böse auszeichnet, seit dem Sieg bei der Schlacht auf dem Lechfeld 955 n. Chr. nicht nur Schutzpatron des Ostfrankenreichs und später auch von Deutschland, sondern auch diverser Kirchen und Städte auf der ganzen Welt. Im Volksglauben geleitet Michael die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits und richtet in seiner Position als „Seelenwäger“ am Tag des Jüngsten Gerichts über die Taten der Menschen.
In der Kunst gehört Michael zu den am häufigsten dargestellten Engeln. Ihm sind die Farbe rot sowie die Attribute Flammenschwert und Waage zugeordnet. Der Höllensturz ist ein beliebtes Thema, das den Engel in Rüstung gegen einen Drachen, stellvertretend für den Teufel, kämpfend zeigt. Andere Darstellungen zeigen ihn als Hüter des Tores zum Paradies.

Traditionen rund um den Michaelstag

Der Michaelstag, im Volksmund wird der Gedenktag auch als Michaelistag oder Michaeli bezeichnet, galt früher als wichtiger Stichtag: etwa als Termin für die laufenden Pacht-, Zins- und Mietzahlungen. An den Universitäten markierte der 29. September den Beginn des akademischen Jahres und als in der Schule das Schuljahr noch von Ostern bis Ostern dauerte, galt der Michaelstag als Start in das neue Halbjahr.
Doch auch viele Traditionen und Aberglauben ranken sich um Michaeli. Eine Tradition ist etwa das Michaelsbrot, das aus frisch gemahlenem Getreide gebacken wird. Ein alter Bauernglaube besagt, dass sich aus am Michaelstag geöffneten Galläpfeln ablesen lässt, wie fruchtbar das kommende Jahr wird.
Michaeli ist auch ein beliebter Tag für Feste oder eine Kirmes. In Augsburg gibt es seit dem 17. Jahrhundert den Turamichele-Brauch, aus dem sich in den 1950er Jahren ein großes Familienfest entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht dabei eine Figur auf dem Perlachturm, die den heiligen Michael im Kampf mit dem Teufel darstellt. Nur in den Tagen um den Michaelstag, dafür dann aber zu jeder vollen Stunde, sticht der hölzerne St. Michael im Gleichklang mit den Glockenschlägen auf den ihm zu Füßen liegenden Teufel ein.

Michaeli weltweit

Nicht nur innerhalb Deutschlands, auch in anderen Ländern wird der heilige Michael gefeiert, etwa in Österreich mit dem sogenannten „Liachtbratlmontag“. Im Volksbrauch kennzeichnet dieser Tag den Beginn der Herbst- und Winterzeit, eine Zeit mit kühleren Tagen und langen Nächten, in der wieder künstliches Licht („Liacht“) in den Werkstätten bei der Arbeit benötigt wird. Das Gegenstück dazu ist Mariä Lichtmess am 2. Februar, wenn die Tage wieder heller werden. In den Sommermonaten wurde das Tageslicht weit über den heute üblichen 8-Stunden-Arbeitstag für die Arbeit genutzt. Vom Ersparten, das nicht für künstliches Licht verwendet werden musste, lud der Dienstherr seine Arbeitskräfte am Montag nach Michaeli zum gemeinsamen Braten („Bratl“) essen ein. Besonders hervorgetan bei den Feierlichkeiten hat sich Bad Ischl, dessen Liachtbratlmontag mit der Ehrung der Altersjubilare verbunden ist und das es damit auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO geschafft hat.
In Teilen Großbritanniens wird sich erzählt, dass der Teufel, als er von St. Michael aus dem Himmel verstoßen wurde, recht unsanft in einen dornigen Brombeerstrauch fiel, den er daraufhin verfluchte. Daher sollten nach diesem Datum keine Brombeeren mehr gepflückt werden, so will es der Brauch. Diese Legende hat zwar noch den „Old Michaelsmas Day“ am 10. Oktober – vor der Umstellung auf den gregorianischen Kalender – im Blick, nichtsdestotrotz wird am Michaelstag die Brombeer-Saison mit dem letzten Blackberry-Pie beendet.
In Irland, aber auch in England, wurde „Michaelmas“ auch als „Goose Day“ bezeichnet, denn traditionell wurde in dieser Zeit eine Gans geschlachtet und verzehrt. Diese Tradition soll unter anderem auf ein Dinner mit Queen Elizabeth I. zurückgehen, die in einem Gänse-Essen schwelgte, als ihr Ziel, die spanische Armada zu besiegen, endlich erreicht wurde. Somit wurde der Verzehr einer Gans als gutes Omen gewertet und sollte folglich in Gedenken an den Sieg um Michaeli wiederholt werden. Was ebenfalls auf den britischen Inseln um den Michaelstag nicht fehlen darf, sind „Michaelmas Daisies“, Astern. Wie der Heilige Michael gegen das Böse kämpft, setzen diese Spätblüher mit ihrer leuchtenden Blütenpracht ein Zeichen gegen die anstehende dunkle Jahreszeit. Werden sie um den Michaelstag überreicht, ist dies zugleich ein Symbol für den Abschied – in ähnlicher Weise, wie an Michaeli von den hellen, warmen Monaten des Säens und Erntens Abschied genommen wird und der neue Jahreszeiten-Zyklus beginnt.