bildkalender.de

Begeisterung für Kalender

Zeit der Sommerfeste

Montag, 20.06.2022
Mittsommer-Kranz; Foto: sofia-holmberg-HIZxRw5vPpY-unsplash

Eigentlich ist es nur der Tag im Jahr, an welchem die Sonne am höchsten am Himmel steht. Doch für viele Menschen war und ist der Tag der Sommersonnenwende ein mystischer Tag, der mit verschiedenen Feierlichkeiten begangen wird.

Sommersonnenwende

Nachdem der meteorologische Sommeranfang bereits am 1. Juni verkündet wurde, stellt die Sommersonnenwende nun den kalendarischen Sommeranfang dar. Das Datum fällt in der Regel auf den 21. oder 22. Juni. Häufig ist die Sommersonnenwende gleichbedeutend mit Mittsommer. Das Gegenstück ist mit dem kürzesten Tag und der längsten Nacht des Jahres die Wintersonnenwende, die meist um den 21. Dezember liegt.
Eine besondere Magie haben die Nächte, in denen die Sonne nicht untergeht: die sogenannten Weißen Nächte. Sie ereignen sich zwischen dem 56° nördlicher Breite und dem Nordpol bzw. 56° südlicher Breite und dem Südpol. Dort geht die Sonne nur für wenige Stunden unter oder es herrscht Dämmerung. In den Polargebieten geht die Sonne überhaupt nicht unter, dann spricht man von der Mitternachtssonne.

Johannistag

Kenntnis von der Sommersonnenwende hatte man bereits in der Bronzezeit. In germanischen, nordischen und keltischen Religionen hatte sie ihren festen Platz. Davon zeugt auch Stonehenge, wo heute noch große Sonnwendfeiern stattfinden ebenso wie sich Anhänger germanischer Riten an den Externsteinen im Teutoburger Wald treffen. Mit der Christianisierung Europas musste nicht zuletzt auch ein Ersatz für die heidnischen Sonnwendfeiern gefunden werden. Daher verband man die Feierlichkeiten mit dem Johannistag, der am 24. Juni an die Geburt Johannes des Täufers erinnert.
Bis heute hat sich der Brauch des Johannisfeuers, der ins 12. Jahrhundert zurückgeht, erhalten. Das Feuer an sich ist ein Symbol für die Sonne und so auch für Jesus Christus, außerdem steht es in engem Zusammenhang mit Johannes dem Täufer. Das Verbrennen von Strohpuppen soll Dämonen vertreiben, Hagelschäden abwehren und, wenn ein Paar gemeinsam darüber springt, für eine baldige Hochzeit sorgen. Ein Tanz unter der Johanniskrone, die aus Zweigen und Laub gefochten wird, ist ebenso Bestandteil der Feierlichkeiten. Auch Kräuter sind am Johannistag von großer Bedeutung, denn viele können um diesen Tag herum geerntet werden. Sieben Kräuter, als Strauß gebunden, sollen eine starke Heilkraft haben. In der Landwirtschaft spielt der Johannistag seit jeher eine zentrale Rolle: an diesem Tag werden die ersten Johannisbeeren reif, das Johanniskraut blüht auf, die Spargel- und Rhabarbersaison endet. In zahlreichen Bauernregeln, wie „Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen“, liegt der Fokus auf Johanni.

Schattenseiten

Die Schattenseite der Sonnenwend-Feiern: In der Zeit des Dritten Reiches spielten Rituale und Feste eine zentrale Rolle bei der Etablierung einer Ersatzreligion mit Adolf Hitler als Retter des deutschen Volkes. In vielen Kulturen, auch vorgeschichtlicher Zeit, wurde die Sonnenwende gefeiert. Dabei spielte das Feuer als Symbol des Lichts eine bedeutende Rolle. Dies machten sich auch die Nationalsozialisten zu eigen und etablierten die vermeintlich germanische Feier im nationalsozialistischen Fest-Kalender. Bis heute hängen rechtsextreme Gruppen diesem Kult nach.

Midsommar

Sommerliche Sonnwendfeiern oder auch Mittsommerfeste haben in den nördlichen europäischen Ländern eine größere Bedeutung als in den südlichen Ländern.
Traditionell werden Mittsommerfeste in den nordeuropäischen Ländern groß und ausgelassen gefeiert. In Schweden etwa ist es das größte Fest nach Weihnachten. Während in anderen nordischen Ländern der Fokus – sei es in der Bezeichnung mit „Sankt Hans“ (dänisch) oder „Juhannus“ (finnisch), oder dem Datum rund um den 24. Juni – auf dem Johannistag liegt, ist es in Schweden beim „Midsommar“-Fest geblieben. Dieses wird an einem Samstag zwischen dem 19. und dem 25. Juni gefeiert. Zur schwedischen Sommersonnenwende gibt es verschiedene Traditionen und Bräuche. Seit dem Spätmittelalter zählt der Tanz um eine Art geschmückten Maibaum, dessen Zweige Bänder und Blumen zieren, dazu. Das Tragen eines Blumenkranzes im Haar ist ein Symbol für Wiedergeburt und Fruchtbarkeit. Unverheiratete Frauen und Mädchen pflücken in der Mittsommernacht schweigend sieben Blumen, die sie unter ihr Kopfkissen legen. Im Traum soll ihnen dann ihr zukünftiger Partner erscheinen. Generell spielen Blumen und Pflanzen, wie auch am Johannistag, eine wichtige Rolle. Sie sollen über heilende Kräfte verfügen und einen Blick in die Zukunft ermöglichen. Häufig wurden auch Sträuße getrocknet, um in den langen kalten und dunklen Wintermonaten Heilmittel zur Hand zu haben.