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Mein Name ist… Die Bedeutung der Namenstage

Montag, 16.05.2022
Namenstage; Foto: kashawn-hernandez-OxV-krcyf24-unsplash

Einst waren Namenstage wichtiger als Geburtstage. Es war Tradition, die Namen für die Neugeborenen sorgfältig auszuwählen. In Frage kamen dafür die Namen von Familienangehörigen und, vor allem in katholisch geprägten Gebieten, Namen mit christlichem Bezug.

Namenstage sind eine christliche Tradition

Die Tradition, Kinder nach Heiligen zu benennen, hat ihren Ursprung im 4. Jahrhundert als der Kirchenlehrer Johannes Chrysostomus dies ausdrücklich empfahl. Einerseits hatte der bzw. die Heilige Vorbildcharakter für die Person. Andererseits diente die Benennung im christlichen Kontext als Abgrenzung zu den Heiden, den Nicht- und Andersgläubigen.
Im Mittelalter war es üblich, dem Kind den Namen des Tagesheiligen des Tauftages zu geben. Auf diese Weise fielen Tauf- und Namenstag zusammen. Prominentes Beispiel ist etwa Martin Luther. Dieser wurde am Tag nach seiner Geburt getauft und so nach Martin von Tours benannt, dessen Gedenktag der 11. November ist. Da der Fokus auf dem Namenstag lag, spielte der eigentliche Geburtstag keine Rolle. In der Zeit der Reformation diente der Namenstag wieder verstärkt der Abgrenzung, dieses Mal zu den Protestanten. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Namenstag bei Angehörigen des katholischen Glaubens so bedeutend, dass dieser anstelle des Geburtstags gefeiert wurde. Zudem waren unchristliche Namen kirchenrechtlich verboten.
Heute hat sich dies in den westlichen Teilen der Welt zugunsten des Geburtstags wieder verschoben. Das mag auch mit dem Bedeutungsverlust der Religion zusammenhängen. In einigen Ländern werden sowohl Geburtstag als auch Namenstag gefeiert, zum Beispiel in Polen oder Spanien. Bei der Namensgebung spielen heute eher modische Trends oder der Klang des Namens eine Rolle, weniger die Bedeutung oder gar religiöse Motive.

Mehr Heilige als das Jahr Tage hat

Es gibt mehr Heilige als Tage im Jahr, daher wird an einem Tag oft mehrerer Heiliger gedacht. Auch gibt es mehrere Heilige mit dem gleichen Namen, an die an unterschiedlichen Tagen erinnert wird. Daher lohnt es sich in der Familie nachzufragen, nach welchem Heiligen oder welcher Heiligen jemand konkret benannt ist. Kuchen, Kerzen, Glückwünsche, Geschenke oder vielleicht eigene, besondere Rituale – vieles ist möglich, doch ob und wie jemand den Namenstag feiert, ist eine persönliche Entscheidung.
Die Heiligenverehrung ist vergleichbar einem christlichen Totenkult. Ein wichtiger Bestandteil ist der Heiligenkalender. Heiligenkalender bestehen in der Mehrzahl aus den Gedenktagen von Märtyrern, gefolgt von Angehörigen des Klerus und des Ordenstandes. In der Regel findet das Hauptgedenken am Todestag der Heiligen statt. Ausnahmen sind Johannes der Täufer und Maria, die Mutter Jesu, bei denen sowohl Geburts- als auch Todestag verzeichnet sind. Am weitesten verbreitet ist der Heiligenkalender bei der Anhängerschaft der katholischen Kirche, doch es gibt ihn auch in einigen orthodoxen, anglikanischen und reformatorischen Kirchen. Der Heiligenkalender, der um 1570 von Papst Pius V. eingeführt wurde und auf dem stadtrömischen Kalender mit seinen Heiligenfesten gründet, enthält die Gedenktage der Heiligen im katholischen Kirchenjahr.

Der Einfluss der Heiligen auf den Alltag

Der Bezug der Menschen zu den Heiligen war früher deutlich stärker. So galt etwa „kurz vor Josefi“ oder „fünf Tage nach Michaeli“ als gängige Datumsangabe, denn es war allgemein bekannt, dass es sich dabei um kurz vor dem 14. März bzw. um fünf Tage nach dem 29. September handelte. Die Heiligen hatten also nicht nur Bedeutung für die Personen, die ihren Namen trugen, sondern waren Teil des Alltagslebens.
Einige der Gedenktage spielten als Lostage, also in der Landwirtschaft bedeutsame Tage für bestimmte Arbeiten, eine wichtige Rolle. Diese betreffen auch heute Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner wie zum Beispiel die Eisheiligen Mitte Mai oder Spargelfans mit dem Johannistag am 24. Juni. Die beliebten Bauern- bzw. Wetterregeln nehmen ebenfalls Bezug auf die Heiligen und ihren Gedenktag.
Einer der wenigen Heiligen, dessen Legende bis heute nachwirkt und an den am 11. November erinnert wird, ist Martin von Tours. Der Martinstag ist dank Laternenumzügen in der Dämmerung nicht nur bei den Kleinen ein Erlebnis, die Großen freuen sich auf die obligatorische Martinsgans.
Auch der 6. Dezember, der Nikolaustag, der an den heiligen Nikolaus von Myra erinnert, und der im Christentum mit zahlreichen Bräuchen begangen wird, ist fester und fröhlicher Bestandteil der Vorweihnachtszeit.

Und heute?

Ganz verschwunden sind die Namenstage und Heiligen bis heute jedoch nicht. Ein Blick in einen Kalender fördert mitunter noch den einen oder anderen weiteren Gedenktag wie Mariä Lichtmess, Johannistag, Peter und Paul oder etwa Mariä Himmelfahrt zutage. Auch ein Blick auf die Listen der beliebtesten Vornamen zeigt, dass Namen, die einen biblischen oder christlichen Hintergrund haben, wie Sarah oder Lena (von Magdalena), Jonas oder Elias, auf den vorderen Plätzen zu finden sind.