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Das jüdische Pessach-Fest

Sonntag, 10.04.2022
Matzen zum Pessach; Foto: pexels-cottonbro-4034017

Pessach, auch Passcha oder Passah genannt, gehört zu den wichtigsten Festen im Judentum, denn es ist Symbol für die enge Verbindung zwischen Gott und dem jüdischen Volk.

Auf dem Weg in die Freiheit

Das zentrale Ereignis des Festes ist die Flucht der Israeliten aus Ägypten, aus der Sklaverei in die Freiheit. An diesen Exodus wird an Pessach erinnert. Dem voraus gingen die zehn Plagen, die Gott über die Ägypter bringt, als diese sich weigern, die Juden ziehen zu lassen und die schließlich mit der Tötung der erstgeborenen Tiere und Menschen durch Gott enden. Davon wurde das jüdische Volk nur verschont, da es am Vorabend die Haustüren mit dem Blut eines frisch geschlachteten Lammes kennzeichnete.
An diese Ereignisse wird an Pessach mit einem Fest erinnert. Gefeiert wird in der Woche vom 15. bis zum 22. Nisan. Das entspricht im gregorianischen Kalender einem Zeitraum zwischen Mitte März und Mitte April. Da der Tag im jüdischen Kalender nicht von 0 bis 24 Uhr gerechnet wird, sondern von einem zum anderen Abend, beginnt jeder Festtag am Vorabend. Pessach dauert sieben, bei orthodoxen Juden acht Tage.

Vorbereitungen auf die Pessach-Woche

Es ist ein großes Familienfest, das bereits Tage vorher mit vielen Riten und Traditionen verbunden ist. Gerade den Kindern, der nächsten Generation, soll die Geschichte vom Auszug aus Ägypten so nahe wie möglich gebracht werden. Alle Teilnehmenden sollen die Flucht nachempfinden, fast schon nacherleben können. Denn diese Begebenheit dient als Beleg für die enge Verbindung zwischen Israeliten und Gott.
In der Woche vor Pessach steht ein umfassender Wohnungsputz an. Gesäuerte Nahrungsmittel werden verzehrt oder verschenkt, kein Krümel darf davon im Haus zurückbleiben. Geschirr aus Glas wird drei Tage lang gewässert, Geschirr aus Metall, wie Töpfe oder Besteck, wird abgekocht und in einen koscheren Zustand zurückversetzt. Geschirr und Kochwerkzeug aus anderem Material darf während der Pessach-Woche nicht verwendet werden.

Der Seder-Abend

Mit dem Seder-Abend beginnt die Pessach-Woche. Als erstes steht der Besuch in der Synagoge an, dem ein großes Festmahl mit Andacht in der Familie folgt. Seder bedeutet so viel wie „Ordnung“, doch trotz aller Ordnung ist der Seder-Abend im Grunde ein heiterer Abend. Es wird gemeinsam die Pessach Haggada gelesen, die Geschichte von der Flucht aus Ägypten. Die Haggada, ein Büchlein, hat jedes Familienmitglied vor sich liegen.
Der Ablauf des Seder-Abends ist genau festgelegt. Begonnen wird mit einem Lied an das sich die Frage des jüngsten Kindes der Runde anschließt, was diese Nacht von anderen unterscheidet. Die Familie antwortet gemeinsam mit einem Lied. Nach dem Segensspruch und dem ersten Glas Wein, dem traditionell noch vier weitere Gläser zu vorgeschriebenen Zeitpunkten folgen, werden bestimmte Speisen verzehrt, die alle eine symbolische Bedeutung haben. So befinden sich auf dem Seder-Teller:

  • Karpas: Radieschen, Petersilie oder Kartoffeln, die als Frucht der Erde die harte Sklavenarbeit symbolisieren.
  • Maror:  Ein Bitterkraut wie Meerrettich oder Romanasalat, das an die Bitternis der Sklaverei erinnert.
  • Chaseret: Ein weiteres Bitterkraut, das das gleiche wie Maror sein kann. Meist ist es Meerrettich und wird zusammen mit Charosset gegessen.
  • Charosset: Ein Mus aus geriebenem Apfel, Mandeln, Zimt und Wein. Es erinnert an die von den jüdischen Sklaven hergestellten Lehmziegel.
  • Seroa: Eine angebratene Lammkeule mit wenig Fleisch, die während des Seders auf dem Teller liegen bliebt. Damit wird an die Opferung des Pessach-Lammes erinnert.
  • Beitzah: Ein gekochtes Ei, welches für das Festopfer steht, das die Jerusalem-Pilger zum Tempel brachten.

Auch ein Schälchen mit Salzwasser, das die vergossenen Tränen symbolisiert, sowie ungesäuertes Brot, Matzen, dürfen nicht fehlen. Letztere sind ein wichtiges Nahrungsmittel in der Pessach-Woche. Daher heißt Pessach auch „das Fest der ungesäuerten Brote“. Matzen sind knusprige Fladenbrote aus Mehl und Wasser, die innerhalb 18 Minuten gebacken werden müssen damit sie nicht beginnen zu säuern. Das Brot erinnert daran, dass die Juden aus ihrer ägyptischen Gefangenschaft so überstürzt aufbrechen mussten, dass die Brote, der Proviant, nicht säuern und gären konnten. Daher darf während Pessach nichts Gesäuertes verzehrt werden oder sich im Haus befinden. Daher sind Speisen und Getränke aus Getreide wie Weizen, Gerste, Hafer, Dinkel und Roggen an Pessach tabu.
Am letzten Festtag des Pessach wird den verstorbenen Angehörigen mit dem Jiskor-Gebet gedacht. Diejenigen, deren Eltern oder wenigstens ein Elternteil noch leben bzw. lebt, verlassen dabei den Raum und kehren später wieder zurück. So soll Eifersucht auf diejenigen mit Eltern vermieden werden. Auch an anderen Festtagen wie Jom Kippur oder Schawuot wird das Gebet gesprochen.

Pessach und Ostern

Wie nahe stehen sich das jüdische Pessach und das christliche Osterfest? Tatsächlich gibt es Gemeinsamkeiten. Beide Feste orientieren sich am ersten Frühlingsvollmond. Die christlichen Kar-Tage und das Osterfest haben ihren Ursprung im Pessach-Fest: Jesus ging nach Jerusalem, um Pessach zu feiern, dort starb er am Kreuz. Tod und Auferstehung fallen in die Pessach-Woche. Der Seder-Abend ist die Grundlage des christlichen Abendmahls. Die dabei gereichten Hostien sind ungesäuerte Brote. In vielen europäischen Sprachen ist „Ostern“ von „Pessach“ abgeleitet, etwa das Spanische „Pascua“, das Französische „Pâques“ oder das Niederländische „Pasen“.
Übrigens, Pessach wird 2022 vom 16. bis zum 23. April, das Osterwochenende vom 14. bis zum 18. April gefeiert.