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Der Französische Revolutionskalender

Dienstag, 08.02.2022
Paris; Foto: pexels-pierre-blaché-3105066

Die Französische Revolution machte auch vor dem Kalender nicht Halt, sondern etablierte für wenige Jahre einen eigenen Kalender: den Französischen Revolutionskalender.

Neue Zeiten, neuer Kalender

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ – zum ersten Mal während der Französischen Revolution beschworen, ist die Devise heute fest im französischen Kulturerbe verankert, und nicht nur dort. Dass die Zeit der Französischen Revolution von 1789 bis 1799 eine Zeit des Umbruchs war, die uns bis heute etwa in unserem Demokratie-Verständnis prägt, zeigt sich auch in der Schaffung eines eigenen Kalendersystems.
Der Französische Revolutionskalender wurde zur Zeit der Französischen Revolution ins Leben gerufen. Vom 22. September 1792 bis 31. Dezember 1805 – gregorianischer Zeitrechnung – war dieser Kalender gültig. Er ist auch unter der Bezeichnung „Calendrier révolutionnaire français“ oder „Caldendrier républicain“ bekannt.
Der Kalender begann inoffiziell mit dem „An I de la liberté“, dem Jahr I der Freiheit, am 15. Juli 1789. Am Tag zuvor, dem 14. Juli, heute Nationalfeiertag in Frankreich, fand der Sturm auf die Bastille statt, der als Beginn der Französischen Revolution gilt. Bis zu seinem offiziellen Inkrafttreten, zählte der Revolutionskalender noch das Jahr II der Freiheit und das Jahr I der Gleichheit – nach dem gregorianischen Kalender die Jahre 1790 bis 1792. Mit der Abschaffung der Monarchie am 22. September 1792 trat der Revolutionskalender offiziell mit dem Jahr I der Republik in Kraft. Etwa ein Jahr später beschloss der Nationalkonvent, auch die Zählung der Monate und Wochentage zu erneuern und das Jahr II der Republik am 22. September 1793 beginnen zu lassen. Die Zeit zwischen dem 22. September 1792 und dem 21. September 1793 fiel rückwirkend in das Jahr I der Republik.

Die Macht der langen Hosen

Das Jahr im Revolutionskalender bestand aus 12 Monaten mit 30 Tagen. Da die Woche in einen Zyklus von 10 Tagen eingeteilt war, bestand der Monat aus drei Dekaden. Damit der Jahresanfang auf das Herbst-Äquinoktium fallen konnte, war die Einschaltung von fünf bzw. in Schaltjahren sechs Ergänzungstagen notwendig, den sogenannten Sansculottiden. Diese Ergänzungstage wurden an den Monat Fructidor, den letzten Monat des Jahres, angehängt. Der Begriff „Sansculottiden“ leitet sich aus dem Französischen von „Sansculottes“ (dt.: ohne Kniebundhose) ab, einer Bezeichnung für die Pariser Arbeiter und Kleinbürger zur Zeit der Französischen Revolution. Diese trugen im Unterschied zum Großbürgertum und den Adligen keine Kniebundhosen, sondern lange Hosen.

Jahreszeiten statt Gottheiten

Die Benennung der Monate geht auf Fabre d’Egaltine zurück, einen französischen Dichter und Revolutionär. D’Egaltine schuf neue Bezeichnungen, die sich nicht mehr an germanischen oder antiken Gottheiten, sondern an den Jahreszeiten orientierten. Jeder Monat wurde nach einer typischen Eigenschaft benannt. Der Jahresbeginn wurde auf den Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst festgelegt. So beginnt das neue Jahr im Revolutionskalender am 22. September mit den Herbstmonaten, allen voran mit dem Weinlese-Monat „Venèmiaire“. Gewechselt wird am 22. Oktober in den Nebel-Monat „Brumiare“, hinter dem sich am 21. November der frostige „Frimaire“ einreiht. Es folgen die Wintermonate mit Schnee, Regen und Wind, nämlich „Nivôse“, „Pluviôse“, „Ventôse“, und darauf die Frühlingsmonate „Germinal“, „Floréal“ und „Prairial“, wenn die Natur wieder zu sprießen und blühen beginnt. Daran schließen sich Sommermonate „Messidor“, „Thermidor“ und „Fructidor“ an, die im Zeichen der Wärme und der Ernte stehen.

Die Zehn-Tage-Woche

Zu den Revolutionskulten der Französischen Revolution, die in engem Zusammenhang mit den Bestrebungen stehen, die Werte und Ideen der Aufklärung durchzusetzen und den Einfluss der Religion auf Staat und Gesellschaft zu beschränken, gehört auch der sogenannte Dekadenkult. Dieser spiegelte sich in den Erneuerungsbestrebungen der Zeiteinteilung wieder. Neben neuen Wochentags-Bezeichnungen, wurde die Sieben-Tage-Woche durch einen Zyklus von 10 Tagen ersetzt. Dadurch war nicht mehr jeder siebte, sondern jeder zehnte Tag arbeitsfrei. Revolutionsfeste traten an die Stelle christlicher Feiertage.
Ursprünglich war auch eine dezimale Zeiteinteilung vorgesehen. Dabei sollte der Tag zehn Stunden, eine Stunde 100 Minuten und diese 100 Sekunden umfassen. Auch das Maß- und Währungssystem sollte sich zukünftig am Dezimalsystem orientieren. Doch die Umsetzung stellte sich als zu komplex und kostspielig dar. Trotzdem wurden einige Uhren mit Dezimalsystem fertiggestellt. Während der Revolution befanden sich Uhren mit dezimaler Tageseinteilung an den Tuilerien sowie in der Nationalversammlung. Mehrere Uhrenhersteller fertigten Uhren mit alter und neuer, dezimaler Stundeneinteilung auf dem Ziffernblatt an. Einige gut erhaltene Exemplare aus dieser Zeit kann man u. a. im Musée Carnavalet in Paris besichtigen.