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Weihnachtszeit in Schweden

Samstag, 04.12.2021
Julfest; Foto: pexels-cottonbro-6139354

Pfefferkuchen und Glögg, Kobolde mit roten Mützen und ganz viel Deko: Es ist Weihnachtszeit in Schweden.

Behagliche Familienzeit

Für die Schwedinnen und Schweden gehört die Adventszeit mit zur schönsten Zeit und Weihnachten zu einem der wichtigsten Feste des Jahres. Nicht erst seit Astrid Lindgrens „Weihnachten in Bullerbü“ geht es sehr behaglich und sehr familiär in der schwedischen Weihnachtszeit zu. Die dunkle Jahreszeit, wenn es in Skandinavien kaum hell wird, freundlicher und behaglicher zu machen, ist durchaus gelungen.
Die schwedische Weihnachtszeit beginnt mit dem ersten Advent. Daran schließt sich als erster Höhepunkt das Luciafest am 13. Dezember an. Den Höhepunkt bildet das Julfest, das am 24. Dezember gefeiert wird. Am 13. Januar, dem Sankt-Knuts-Tag, enden die Feierlichkeiten. An diesem Tag wird gemeinschaftlich der Weihnachtsbaum abgeräumt und die verbliebenen Süßigkeiten geplündert.

Ein Ziegenbock als Weihnachtsdeko

Auch wenn das Dekorieren schon früher beginnt, das Startzeichen für die lang ersehnte und ausgiebig begangene Advents- und Weihnachtszeit ist der 1. Advent, denn dann öffnen die beliebten und viel besuchten Weihnachtsmärkte in zahlreichen Städten. Doch auch die folgenden Adventssonntage stehen ganz im Zeichen der anstehenden Festtage.
Zur schwedischen Weihnachtszeit gehört der Julbock, ein Ziegenbock. Früher brachte dieser die Geschenke, heute gilt er als Begleiter des Jultomte, des Weihnachtskobolds. Seinen Ursprung hat der Julbock in der germanischen Sagenwelt: dem Wagen des Gottes Thor waren zwei Ziegenböcke vorgespannt. Meist ist der Julbock aus Stroh gebunden und in unterschiedlichen Größen erhältlich. So darf er als Schmuck am oder unter dem Weihnachtsbaum nicht fehlen und man findet ihn auf dem Weihnachtsmarkt. Bestes Bespiel ist der sogenannte Gävlebocken der Stadt Gävle. Dabei handelt es sich um einen mehrere Meter hohen Julbock aus Stroh, der im Schlosspark errichtet wird.

Lichter gegen die Dunkelheit

Am 13. Dezember folgt der nächste Höhepunkt: das Luciafest, das übrigens auch in Dänemark, Norwegen und Finnland gefeiert wird. In Schulen und Kindergärten singen die Kinder in weiße Gewänder gekleidet das Lucia-Lied, an der Spitze die Lucia-Braut. Diese trägt einen Kerzenkranz auf dem Kopf und zusätzlich zum weißen Kleid noch ein rotes Band um die Taille. Traditionell gibt es an diesem Tag Lussekatter, ein Gebäck aus Hefeteig mit Safran. Erst Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Luciafest zu einem festen Brauch. Vor der Einführung des gregorianischen Kalenders fiel der Gedenktag der Heiligen Lucia tatsächlich auf den kürzesten Tag des Jahres und läutete so zugleich den Beginn der wieder heller werdenden Monate ein, daher auch die Bezeichnung Lichterfest bzw. Sonnenwendfeier.

Kleiner und großer Weihnachtsabend

Das Julfest ist ein großes Familienfest und gleichbedeutend mit unserem Weihnachten. Am Tag vor Heiligabend findet der sogenannte kleine Weihnachtsabend, der Lillejulafton, statt. An diesem wird der Weihnachtsbaum geschmückt, das Zuhause festlich dekoriert, Geschenke werden eingepackt. Es wird geputzt, gekocht und gebacken. Unterstützung erhalten die Schwedinnen und Schweden dabei vom Tomte, einer Art Wichtel oder Kobold, der das ganze Jahr über auf die Familie Acht gibt und bei ihr lebt. Um sich bei diesem zu bedanken, erhält der Tomte an Heiligabend eine Schale mit Milchreis und Löffel vor die Tür oder das Fenster gestellt. Wird der Tomte vergessen, kann das im nächsten Jahr böse Folgen haben in Form von fiesen Streichen und einer andauernden Pechsträhne.
Der Fokus der Weihnachtsfeierlichkeiten liegt auf dem 24. Dezember. Der Tag beginnt mit dem Brauch, am Vormittag Freunde und Verwandte zu besuchen. Während in Deutschland häufig am frühen Abend ein Gottesdienst oder die spätere Christmette besucht wird, erfolgt der Kirchgang in Schweden am 25. Dezember. Stattdessen trifft sich die Familie am Nachmittag, um jedes Jahr auf’s Neue am liebsten Donald-Duck-Filme gemeinsam zu gucken.
Nach den vergnüglichen Stunden mit Walt Disneys Filmschätzen kann zum Weihnachtsessen übergegangen werden. Zum Festessen mit der Familie, dem Julbord, das auch unter dieser Bezeichnung in Restaurants angeboten wird, gehören auf jeden Fall Leckereien wie Weihnachtsschinken, die durch ein großes schwedisches Einrichtungshaus auch bei uns bekannten Köttbullar, Fisch und Meeresfrüchte sowie Pepparkaka und Glögg.

Milchreis für die Kobolde

Nach dem Festschmaus findet die Bescherung statt. Die Geschenke werden von den drei Kobolden Tomtebisse, Tomte und Nisse unter den Baum gelegt. Während der Bescherung geht es ausgelassen und fröhlich zu: es wird um den Baum und durch das Haus bzw. die Wohnung getanzt und gesungen, getrunken und genascht und es werden Julklapp-Reime aufgesagt. Während Kinder und Erwachsene ausgiebig das Julfest feiern, machen sich die drei Kobolde ebenso wie der Haustomte über die für sie bereit gestellte Schüssel mit Milchreis her.
Ein weiterer Brauch: Vor allem in den ländlichen Teilen Schwedens bleiben Fenster und Türen offen, denn es ist Tradition, dass Freunde und Nachbarn kleine Geschenke in die Wohnstuben werfen und dabei laut „Juleklapp!“ rufen.

In diesem Sinne: God Jul – Frohe Weihnachten!