bildkalender.de

Begeisterung für Kalender

Bonfire Night: Eine Frage des Glaubens

Samstag, 30.10.2021
Bonfire Night, Foto: isaac-sloman-0BWhr78sRuw-unsplash

Am 5. November ist Bonfire Night in Großbritannien. Der Nacht der Feuerwerke und Fackelzüge liegt ein (grausames) Stück englischer Geschichte zugrunde, geprägt von der immerwährenden Frage der „richtigen“ Glaubensrichtung.

Die Ausgangslage

Unter König Heinrich VIII. wurde die kirchliche Abspaltung von Rom forciert. Da der Papst die Ehe des Königs nicht annullierte, entschlossen sich die englischen Bischöfe, den Papst nicht länger anzuerkennen und den König zum Oberhaupt der Kirche zu machen. Anhänger des katholischen Glaubens sahen sich zunehmend der Verfolgung ausgesetzt. Mit der Thronbesteigung Maria Tudors im Jahre 1553 erstarkte die Verbindung zu Rom auf’s Neue. Erst mit ihrem Tod und der Regentschaft Königin Elisabeth I., die von 1558 bis zu ihrem Tod im Jahr 1603 dauerte, wurde die Kirche wieder protestantisch und gewann zunehmend an Einfluss. Elisabeths Nachfolger, König Jakob I., setzte den anglikanischen Kurs fort und lehnte es ab, der katholischen Bevölkerung mehr Freiheiten einzuräumen.

Der Plan

Als treu ergebene Anhänger des Papstes und der katholischen Kirche, war die Gruppe um die Rädelsführer Robert Catesby und Guy Fawkes bestrebt, den Katholizismus mit aller Macht in England zu installieren. Sie trafen sich 1604 in London, um den später als Gunpowder Plot in die Geschichte Großbritanniens eingehenden Plan auszutüfteln, bei dem der König, seine Familie sowie das Parlament mit Ober- und Unterhaus bei der nächsten feierlichen Parlamentseröffnung in die Luft gesprengt werden sollte.
Guy Fawkes, 1570 geboren, war ein angesehener Offizier, der im Alter von 16 Jahren zum Katholizismus konvertierte. Als Soldat hatte er im Achtzigjährigen Krieg (1568–1648) Erfahrungen mit Sprengstoff gesammelt. Auf diese konnte er nun zurückgreifen: Fawkes wurde die Rolle zuteil, den Sprengstoff, zu organisieren und in einem sicheren Versteck zu lagern. Diesen Auftrag erledigte er zuverlässig und brachte 36 Fässer mit Schwarzpulver in den Keller unterhalb des Parlaments. Auch wenn man das Fassungsvermögen der Fässer heute nicht genau festlegen kann, geht man davon aus, dass die Menge auf jeden Fall gereicht hätte, das Parlamentsgebäude und die Nachbarschaft in Schutt und Asche zu legen.

Das Scheitern

Doch der Gunpowder Plot scheiterte: Die Terrorzelle hatte ein Leck. Einer der Mitverschwörer informierte den katholischen Lord Monteagle. Diesem wurde in einem anonymen Brief geraten, am 5. November 1605 besser nicht der feierlichen Parlamentseröffnung beizuwohnen. Monteagle informierte seinerseits die Behörden, die die Ermittlungen aufnahmen. Obwohl die Verschwörer Informationen darüber hatten, dass ihr Plan aufgeflogen war, verfolgten sie ihn weiter. Guy Fawkes und der Sprengstoff wurden am Morgen des 5. Novembers 1605 im Keller des Parlaments entdeckt und gefangen genommen. Unter Folter gestanden er und seine Mitstreiter ihre Taten, wurden zum Tode verurteilt und grausam hingerichtet.

Das Feuerwerk

Dass das Attentat verhindert werden konnte, feierte die Bevölkerung mit großen Freudenfeuer. Und auch heute noch wird jedes Jahr am 5. November diesem gescheiterten Terrorakt mit der sogenannten Bonfire Night gedacht, hauptsächlich in anglikanisch geprägten Gebieten. Dabei werden Strohfiguren, die Guy Fawkes repräsentieren, verbrannt. Dazu sind die Zeilen „Remember, remember, the fifth of November...“ zu hören. Feuerwerke erinnern an das nicht explodierte Schwarzpulver. Ebenfalls fester Bestandteil sind Paraden und Fackelzüge. Vor der jährlichen Parlamentseröffnung überprüfen die Yeoman of the Guard den Keller von Westminster, allerdings eher aus traditionellen Gründen.

Die Maske

Dass Guy Fawkes und seine Komplizen versucht haben, mit terroristischen Methoden gegen das System vorzugehen und dabei den Tod zahlreicher Menschen billigend in Kauf nahmen, wird heute gerne übersehen. Was geblieben ist und im Vordergrund steht, ist der Aufruf zur Rebellion. So ist die Figur Guy Fawkes auch heute noch Thema. Bekanntes Beispiel ist die Graphic Novel „V wie Vendetta“, die auch verfilmt wurde und in der der Protagonist als Guy Fawkes verkleidet ist. Die vom Zeichner David Lloyd entworfene, markante Guy-Fawkes-Maske ist heute in der Öffentlichkeit Symbol des Kampfes gegen das vorherrschende System und kommt bei Netzaktivisten wie Anonymous sowie der Occupy-Wall-Street-Bewegung zum Einsatz.